wissen entsteht – wissen vergeht

Das Internet vergißt nichts – das Internet vergißt alles. Wenn dieser Blog abgeschaltet wird, ist alles weg. Wie gehen wir mit Gedächtnis und Zeitgeist in digitalen Zeiten um? Wie war es früher?

Man konnte etwas aufbewahren, gedruckt als Text oder Foto. Das kann man heute digital als PDF-Datei oder Ausdruck. Der Unterschied ist die Gewohnheit an die ständige Verfügbarkeit im Internet.

Während meiner Internetzeit sind viele gute Webseiten mit vielen guten Texten verschwunden. Vieles, was früher auffindbar war, wird heute von Google nicht mehr gezeigt.

Wer den Unterschied zwischen google und bing einmal sehen will, der braucht ja nur dieselben Suchwörter in beiden Suchmaschinen einzugeben.

Google ändert sogar Wörter beim Suchen so ab, daß man die Ergebnisse erhält, für die Werbung gezeigt werden kann und nicht die Ergebnisse, nach denen man sucht. Das ist noch schlimmer als früher, als google zuerst Ergebnisse zeigte, für die Werbung gemacht wird aber dann auch noch andere.

Heute werden zusätzlich Suchen verfälscht im Sinne von gezeigt wird nur, was Google interessiert. Sie merken das selbst, sobald sie google und bing bei den Ergebnissen vergleichen.

Das Geheimnis dabei sind teilweise die Gänsefüßchen.

Gänsefüßchen bedeutet bei google, daß genau nach diesen Wörtern in dieser Kombination gesucht werden soll, sonst wird auch das Ungefähre drumherum nach dem Maßstab von google gezeigt. Bei Bing gibt man die Wörter in der Kombination ein, die man sucht und erhält dafür ohne „“ Gänsefüßchen Ergebnisse.

Allerdings klappt das nicht immer.

Beim Suchbegriff politische Fotografie kommt bei Google nie das, was bei Bing kommt sondern immer nur was von der Regierung.

Aber natürlich läßt sich google nicht nachsagen, man könnte nicht… Deshalb gibt es neuerdings bei den Suchoptionen auf der Webseite den Menüpunkt Tools und dort ganz unten den Menüpunkt Wortwörtlich. Das führt aber auch nicht zu so guten Suchergebnissen wie bei bing sondern nur zu etwas weniger Regierung.

Der Trick ist das Normale als Ausnahme anzubieten auf Nachfrage und versteckt und das unnormal gesteuerte als neuen Normalfall zu definieren. So ist immer alles Werbung in den Ergebnissen bis man dahinter kommt, daß man manipuliert worden ist.

So sieht es aus.

Das ist aber noch nicht alles.

„Nachdem die Blogosphäre einen leisen Tod starb, ist Wikipedia das letzte Relikt des Web 2.0 inmitten eines kommerzialisierten und durch Überwachungsstrukturen durchsetzten Internets, wo Tech-Konzerne wie Google oder Facebook durch die Ausforschung der Privatsphäre und personalisierte Werbung Milliarden verdienen.“

So schreibt es Adrian Lobe, wenn er darauf hinweist, daß die Plattformen das partizipative Web gekapert haben.

Sie entscheiden auch, was online verfügbar und vor allem auffindbar bleibt. Das ist nicht gut für eine Demokratie und die Suche nach der Wahrheit.

Damit nicht genug.

Vor ein paar Wochen haben einige Zeitungen gemerkt, daß alles weg ist, wenn ein Netzwerk oder ein Blog oder eine Online-Präsenz geschlossen werden.

Sie faßten dies medial mehrheitlich so zusammen, daß das Internet doch vergißt.

Ich habe das erstmals gemerkt, als die Financial Times Deutschland aufgab und aktuell als dieses Jahr die geo-reisecommunity geschlossen wurde. Da hatte ich einige schöne Artikel drin, die wären weg wenn sie nicht früher auch auf travigal.de gesichert worden wären. Aber wen interessiert dies heute noch ausser dem Autor?

Das Problem wird uns sicher weiter begleiten.

Aber was bleibt und was blieb früher?

Wie verändert sich in digitalen Zeiten unsere Wahrnehmung und was ist anders in der Aufmerksamkeitsökonomie, die vor allem ja auch viel mehr als früher zeigt und in der wir viel mehr als früher wahrnehmen und sehen?

Welchen Wert haben Texte und Fotos heute?

Klar ist, wir müssen wie früher ausdrucken und sammeln, entweder auf Papier oder als PDF. Daran hat sich nichts geändert außer daß es heute vielfach bequemer ist.

Ansonsten führt der Weg durch Informationen zum Wissen nur über das Lesen. Aussortieren und Einsortieren und Aufbewahren und Merken und Verarbeiten.

Letztlich ist der Weg das Ziel und was bleibt ist nicht digital.

Das gilt bestimmt auch für die Fotografie.

Weil morgen der 1. Mai ist, der lange als Tag der Arbeit galt und heute nur noch den Untergang der Arbeitenden als politische Kraft symbolisiert, wollte ich diese Zustandsbeschreibung vornehmen.

Ich möchte aber nicht versäumen auf den meiner Meinung nach sehr treffenden Artikel von Peter Nowak zu verweisen, der zeigt, daß die Jugend zwar die Zukunft sein kann aber nicht unbedingt die Hoffnung ist, zumal sie in Generationen denken statt in Klassen.

  • Was macht das für die Fotografie und ihre Themen bei der Jugend, welche Rolle spielen Fotos und wie wirken sie?
  • Welchen Sinn hat Fotografie als Waffe in Systemen, die solchen Fotos keine Relevanz bei Auffindbarkeit und Wirkung mehr beimessen?
  • Welche Öffentlichkeit haben wir heute?
  • Was hat Wirkung?
  • Wie ist der fotografische Zeitgeist?

Damian Zimmermann hat in seinem Text über die Zukunft der Bilder auch den Trend zu Sofortbildkameras bei Jugendlichen festgehalten, um sich zu verorten im Moment – neben anderen aktuellen Tendenzen. Der Text mit seiner Bestandsaufnahme gibt viel vom kommerziellen Zeitgeist wieder.

Ich muß mich damit erst einmal beschäftigen, bevor ich dazu etwas schreiben kann oder will.

Es ist aktuell alles gesagt.

Und zur Kunst den Tag zu reflektieren (dayart) gehört auch zu schweigen im Blog bis ich wieder was sagen und schreiben will.

Denn hier ist alles privat und nicht kommerziell.

Vielleicht beginnt nun bald die Zeit anderer Fotos statt neuer Worte.

 

Tags:

Schreibe einen Kommentar