Der neue Flow in der Fotografie

flaneur21

„Flow ist das, was wir erleben, wenn wir ganz in dem, was wir gerade tun, aufgehen.“ Was Corinna Peifer hier sagt, hat schon viel früher eine Rolle gespielt.

„Fotoamateure in diesem Sinne waren Menschen, die die Fotografie liebten, sich ihrer erfreuten und sie mit Leidenschaft und Kompetenz, aber ohne Fachausbildung, also semi-professionell, praktizierten. Von ihnen bzw. von der sog. Dilettantenbewegung gingen um 1900 maßgebliche Impulse in Richtung einer Erneuerung der häufig in kalter Routine erstarrten Fotografie aus.“

Kalte Routine so wie heute in der neuen fotografischen Langeweile weltweit bis hin zur Stockfotografie und natürlich die Gewinnerfotos vieler Awards, wobei die Gewinner das anders sehen werden.

So schreiben es Rainer K. Wick und Wolfgang Vollmer in ihrem Buch „Werkstatt Fotografie.“

Roman Marek weist darauf hin, daß die Avantgarde des 20. Jahrhunderts (Expressionismus, Dada-Bewegung) die Kategorie des Dilletanten nutzte, um sich gegen gängige Muster von Rezeption und Produktion abzugrenzen.

Und Roland Barthes schrieb in seiner hellen Kammer „Gewöhnlich wird der Amateur als unausgereifter Künstler definiert; als jemand der zur Meisterschaft in seiner Profession nicht aufsteigen kann – oder will. Auf dem Felde der photographischen Praxis dagegen überflügelt der Amateur den Professionellen: er kommt dem Noema der Photographie am nächsten.“

Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum die Fotografie und die Fototechnik die ewige Jugend zelebrieren. Ich habe das den flotten Dreier in der Fotografie genannt.

Und als ob das noch nicht genug wäre, setzt Dieter Hacker noch einen drauf:

„Der Amateur liebt seine Arbeit. Dieses Verhältnis zu seiner Arbeit hat für ihn viele Konsequenzen. Denn unsere Gesellschaft honoriert nicht, was wir lieben, sondern was wir für ihren Fortbestand leisten. Die Arbeit des Amateurs gilt wenig. Da er seine Arbeit macht, um ein persönliches Bedürfnis zu befriedigen, bleibt er in der Regel auch der wichtigste Nutznießer seiner Arbeit… Der Amateur ist für die Industriegesellschaft nur interessant, sofern man mit ihm Geschäfte machen kann. Beim Fotoamateur ist das so. Unermüdlich und mit Hilfe von Werbeanzeigen, Großplakaten, Fotomagazinen, Fotoausstellungen, Fotobüchern und Sondereinlagen der illustrierten Zeitungen werden die Leute zum Fotografieren angeregt.“

Und nur wenn sie dann die neusten Produkte kaufen, können sie dann auch Wettbewerbe gewinnen, ist die versteckte Botschaft …

Und dann kommt das Geheimnis der Kunst und der Revolution: „Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat der Amateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können. Was dem Berufskünstler kaum gelingt, nämlich die Realisation seiner Intentionen; was ihm deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem wahren Charakter des Kunstwerkes Zwänge ergeben, denen er sich schwer entziehen kann, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Amateurarbeit nicht leben.

Amateurarbeit, die sich von ihrer Fixierung an die Arbeit der Profis befreit, könnte eine Ahnung davon vermitteln, was nicht entfremdete Arbeit ist und so eine wichtige Utopiefunktion erfüllen. Nicht vergessen: die Revolution ist die Arbeit von Amateuren.“

Flow war schon da bevor man dies so nannte.

Aber nun ist es benannt und kann ganz wunderbar umgesetzt werden.

Dazu hat die Autorin Pia Parolin ein Buch geschrieben, das uns ermöglicht, ohne spezielle Marke oder Ausrüstung immer wieder in diesen Zustand zu gelangen, wenn man die Fotografie in sein Leben läßt.

So können wir in die neue Zeit gehen und dort das tun, was wir fotografisch wollen, mit gutem Gefühl und guten Fotos.

Street21 liegt vor uns.

One thought on “Der neue Flow in der Fotografie

  1. …und weil die zitierten Absätze von Dieter Hacker zweifellos ihre Richtigkeit haben, und der Realität des Jahres 2020 entsprechen, können wir 2021 unsere Wege gehen. Akkus und Speicherkarten kann man wechseln, braucht nicht immer die neueste „Wunderkiste“ und jegliches Zubehör. Auch 2021 entstehen die Bilder, unsere Bilder, im Kopf –
    mit unseren Emotionen in unserem Kopf!

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