Digitalkameras zwischen Friedhof und Fortschritt

flaneur21

Als ich die Nikon D3100 in Händen hielt, war ich überzeugt, die letzte Digitalkamera kaufen zu müssen. Das ist mindestens 5 Jahre her und es war nicht meine letzte Digitalkamera. Die D3100 war nicht nur erstaunlich leicht, sondern hatte als erste und bis heute einzige (?) Spiegelreflexkamera einen manuellen Schalter, um zwischen Einzelbild, Serienbild und leiserem Auslösen zu wählen. Das fand ich so wunderbar, daß ich gleich mehrere kaufte als otto eine Aktion hatte und später auch noch die rote Sonderedition.

Aber alles entpuppte sich als Irrtum. Benutzen konnte ich nur neuere Objektive, weil kein Fokusmotor im Gehäuse eingebaut war und zeitgleich war der Aufstieg der Smartphones, so dass ich 2017 schon Streetfotografie weit besser und unauffälliger mit einem Smartphone bzw. Iphone als mit einer sichtbaren Nikon D3100 machen konnte.

Zwischendurch war ich noch fasziniert von der Nikon 1 V1, eine ebenfalls wunderbare Kamera, deren Schwester S1 eine wahre Lust für Streetfotografie war. Aber sie waren eben schon überholt.

Und die rote Edition finde ich immer noch so schön und sie ist zugleich so auffällig, daß damit sowieso nur fotografiert werden kann, wenn man auffallen will.

So war für unauffällige Streetfotografie das Neue die bessere Wahl.

Parallel dazu entwickelte Panasonic Lumix neue Kameras wie die wunderbare schöne kleine Lumix GM5, die für mich ein einziger Quell der Freude ist.

So lagern sich im Laufe der Jahre neue und gebraucht gekaufte Digitalkameras ein, die keinerlei Verkaufserlös erzielen würden, aber für mich persönlich von Wert sind.

Ich habe nie versucht ein System zu sammeln und zusammen zu kaufen sondern mich interessierte immer eine Kombi mit einer auf KB umgerechneten Brennweite von 50mm – und die gab es bis vor einem Jahr sogar in fast allen besseren Smartphones.

Die alten gesammelten Kameras brauche ich alle nicht mehr, wenn ich heute fotografiere. Sie sind aber Teil meines bewußt gewählten fotografischen Weges. Einige blieben leider auf der Strecke. Kodak hatte diese wunderbare doppellinsige Digitalkamera, die heute ähnlich im Iphone 11 etc. zu finden ist. Aber die Kamera war so billig gebaut und hatte einen so schlechten Sensor, daß sie schon nach kurzer Zeit den Geist aufgab.

Von Nikon verbrauchte ich mehrere D40 und D50, die ebenfalls in der Elektronik im jeweils ersten Jahr einen Totalausfall hatten.

Am Stabilsten waren die Canon Digitalkameras, bei denen auch die Akkus am Längsten (bis heute) halten. Aber Canon machte ja nur DSLRs, bei denen der Auslöser wie eine Schusswaffe war, genauso laut und auffällig.

Die alte EOS 5D war schön und der Sucher groß, aber das war alles sehr schwer. Und durch meine Nervenverletzung am Hals konnte ich bald keine schweren Kameras mehr tragen, so daß die leichte Nische mein neuer Weg wurde.

Jetzt ist alles viel besser. Wenn es so weitergeht, wird es viele schöne Neuerungen geben und es hat schon viel Neues gegeben wie die Fujifilm XE3 oder die wirklich nutzbaren Smartphones von Motorola.

Ich wollte vor einigen jahren meine gesammelten alten Digitalkameras im Fotomuseum in Markkleeberg abgeben aber dort wollte man sie nicht. Dort blieb man damals lieber am Ende der analogen Zeit stehen, wobei diese Zeit im Museum unglaublich gut aufbereitet ist und es sehr viel Spaß macht, dort die analoge Technik und die Kreativität der damaligen Fotoindustrie zu bestaunen.

Nun sind die meisten meiner alten Kompaktkameras und DSLRs weg aber es bleiben dann immer noch genug, die spätestens mit dem Ende der Akkus in den Elektroschrott fallen.

Unter dem Gesichtspunkt der Innovationen ist die Coronazeit kein Rückschritt sondern eher ein Fortschritt. Die Unerbittlichkeit sortiert aus und zwingt zu Neuem. Die Fotografietechnik schreitet voran.

Ich habe gelernt, daß ich durch neue Kameras keine besseren Fotos mache, wenn ich als Standard mindestens 8 Megapixel und ISO 1600 mit wenig Rauschen als Rahmenbedingungen nehme.

Für draussen und im Wald immer dabei haben sich bei mir als Amateur die Lumix FZ300 und die Sony RX100 am Besten geschlagen, weil sie zuverlässig sind und die Bildqualität stimmt und sie coronatauglich sind, da sie auch mit Abstand fotografieren können durch ihr Zoom.

Ansonsten stehe ich auf die Fujifilm XE Reihe und die Lumix GX Reihe wobei ich diese Kameras nicht mehr immer dabei habe.

Dabei habe ich immer ein Smartphone, meistens ein Iphone mit einer Linse oder wenn ich bewußt einpacke auch ein Motorola.

Das Neue war eigentlich immer nur für einen begrenzten Zeitraum interessant und nutzbar, weil es auch kaufbar war. Ich habe nie mehr als 500 Euro für eine Digitalkamera ausgegeben, die heute pro Stück nicht mal mehr 50 Euro wert wären. Das kennen wir vom Fernseher und dem Computer genauso.

Warum habe ich diesen feuilletonistischen Artikel geschrieben?

Weil es heute nass und kalt und ungemütlich war und ich die alten Digitalkameras sortiert und aussortiert habe.

Dabei kommen die Gedanken von allein, die Frustrationen und die Erinnerung an den sog. Flow, den ich mit einigen dieser Kameras hatte.

Manche Tour durch eine Stadt könnte ich heute so gar nicht mehr machen, da wäre dann aus sozialen Gründen ein Smartphone notwendig.

So entstehen neue Herausforderungen, heute sagt man challenge.

Genau das wird dann neuen Flow verursachen und genau darauf kommt es doch an.

Der Profi muß von der Fotografie leben, der Amateur will mit der Fotografie leben.

Deshalb bin ich gerne Amateur.

 

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