Foto M. Mahlke

Mit der Fotografie leben ist ein großes Wort. Und jeder versteht es anders. Viele leben für die Fotografie indem sie ihre Fotoausrüstung haben – und zeigen.

Die meine ich nicht. Ich meine die danach, die anfangen fotografisch zu denken und mit der Fotografie zu leben. Ob man dann von der Fotografie leben kann, ist wieder eine ganz andere Frage.

Als jahrelanger aufmerksamer Leser digitaler Blogs fallen mir dann immer wieder Entwicklungen auf, die sich in einem Artikel einer schreibenden Person manifestieren, der innere Prozesse zusammenfaßt und aus schreibenden Personen fotografische Persönlichkeiten macht. Die fotografische Persönlichkeit zeichnet sich ja durch einen eigenen fotografischen Charakter mit eigener Lebensmethodik aus, der aber nicht immer zu sozialer Anerkennung oder zu vielen social links führt.

Heute kann ich über zwei Personen schreiben, die mich nicht kennen, aber über ihre Blogs öffentlich zugänglich sind.

Katja Kemnitz

Ich fange an mit Katja Kemnitz. Sie hat vor ein paar Tagen einen Artikel mit dem Titel „Mystische Nachbarschaft“ veröffentlicht.

Beim Lesen dieses Artikels sah ich, wie sich ihre Kenntnisse über ihre Art der Fotografie und der Weg zu ihrer Fotografie in ihrem Leben darin wiederspiegelte. Ich finde diesen Artikel großartig, weil er in meinen Augen ihre fotografische Entwicklung bis hierhin sehr deutlich macht. Da sie auch Herausgeberin von kwerfeldein.de ist, kann man viele ihrer Artikel davor noch lesen. Aber in diesem Artikel hier finde ich ihren Selbstausdruck in Worten, der erklärt wie sie ihre fotografischen Konzepte umsetzt und lebt.

Deshalb halte ich diesen Artikel für so besonders. Er hat mir auch inhaltlich viel gegeben, weil diese Art Fotos zu machen überhaupt nicht meine Art war und ich auch nie verstanden habe, wie man darauf kommt. Jetzt ist mein Verständnis dafür gewachsen und vor allem habe ich erfahren, wie viel Kreativität darin steckt. Und es findet eben vor der eigenen Haustür statt, was ich für sehr wichtig halte, weil das Leben eben auch hinter und vor der eigenen Hautür stattfindet und das Leben mit der Fotografie in meinem Verständnis auch. Deshalb möchte ich an dieser Stelle diesen Text von Frau Kemnitz noch einmal besonders herausheben aus der Masse.

Eric Kim

Damit komme ich zu Eric Kim. Er wurde ja international bekannt als Blogger zum Thema Street photography. Ich habe ihn vor Jahren (2012/13) schon einmal als „Strassenfotograf ohne Eigenschaften“ bezeichnet, weil er quasi von allen bekannten Namen alles übernahm und man den Eindruck haben konnte, er weiß alles und kann alles und damit hatte er von allem und von nichts Ahnung aber keine eigene Meinung. Das hat sich geändert und das empfinde ich als sehr positiv. Auch er ist nicht stehengeblieben sondern lebt jetzt mit der Fotografie und reflektiert sein Tun.

Das ist mir aufgefallen beim Lesen des Artikels „Warum die Ricoh GR II die besten Kamera für Streetfotografie“ ist und des Artikels „Warum Detailtreue in der Fotografie überbewertet wird“. Er bewegt sich ja auf dem Feld der Strassenfotografie zwischen klassischer und neuer Begriffsdeutung. Und er bezieht nun Stellung und lebt seine Art der Fotografie.

Ich habe diese beiden Personen ausgewählt, weil ich deren Texte seit Jahren lese und mir dies dort nun aufgefallen ist.

Ich reflektiere ja mein eigenes fotografisches Tun als Element meines Lebens ebenso wie sie, aber eher dokumentarfotografisch.  Hier zeigt sich auch die Vielfalt in der Fotografie als Methode von Ausdruck und Aneignung.

So hat das Leben mit der Fotografie viele Facetten und das Schöne daran ist, daß manche Diamanten als Blogbeiträge erscheinen und andere LeserInnen bereichern und so ein digitales Miteinander ermöglichen.

Deshalb ist es so wichtig, nicht nur zu fotografieren sondern auch darüber zu schreiben und nicht nur ein paar Fotos zu zeigen.

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