Kreative Initiative statt Künstliche Intelligenz – Leben in der Fotonische

flaneur21

Meine Fuji Digitalkameras X-E2s und X-E3 sind kaum noch zu kaufen. Neu sowieso kaum aber auch gebraucht fast nirgendwo in 9/21.

Woran mag das liegen?

Laut Foto Schuhmacher hat Fuji maximal 500.000 Systemkameras in den letzten Jahren pro Jahr verkauft – weltweit. Darin sind alle Modelle enthalten.

Das bedeutet, meine Kameras hatten nur einen eher kleinen Kundenkreis.

Die meisten Kamerakunden interessierten sich für andere Modelle von anderen Unternehmen.

Ich lebe also in einer Fotonische.

Panasonic hat im MFT Bereich auch nicht mehr so viele Kameras verkauft, so daß ich quasi ein fotografischer Nischenmensch bin.

Für mich lebt es sich fotografisch gut in der Nische, weil sie statt auf Künstliche Intelligenz auf Kreative Initiative beim Fotografieren setzt.

Aber ich fühle mich auch aus der Zeit gefallen.

Ich habe mir weder die XE4 noch die XPro3 gekauft.

Ich bin also mit der Zeit nicht mitgegangen sondern stehengeblieben.

Nun stehe ich hier und schreibe darüber.

Und da muß ich sagen, daß ich mich etwas hinters Licht geführt fühle von Fuji.

Natürlich ist laut Marketing die neuste Kamera immer die „beste“ Kamera.

Aber das stimmt ja nur wenn das Kriterium die Neuheit ist.

Und was die Influencer, die angeblich so toll Documentary und street machen und mir völlig unbekannt sind, alles von sich geben, fällt fast schon unter gequirlte Scheisse.

Ich habe mir jetzt erstmals auf youtube Videos zur Xpro 3 und dem Monitor/Screen angeschaut und bin aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen.

Und bei Fuji selbst sieht es kaum anders aus.

Gucken Sie mal hier auf den Screenshot:

Das ist die Werbung für die xpro 3 von der angegebenen Webseite fujifilm-x.com. Da steht doch tatsächlich, daß der Monitor versteckt wurde, damit man sich auf das Fotografieren konzentriert.

Mir fällt da nichts mehr ein.

Seit Jahren macht Fuji Digitalkameras bei denen man den Monitor umschalten und ausschalten kann, um sich auf das Fotografieren ohne Monitor zu konzentrieren.

Und dann kommt so etwas?

Und dann erklären Influencer auf YouTube auch noch, daß sie dieses Display gerade so besonders gut nutzen können, so als ob es gute bewegliche Display/Flip screen wie das in der eher einfachen XT100 nie gegeben hätte.

Ich denke immer öfter an den oben verlinkten Text von Foto Schuhmacher, der sehr wahr zu sein scheint.

Auf den Punkt gebracht hat es ein Test im fotomagazin, der für sich selbst spricht.

Ich finde es auch bemerkenswert, daß oft Fuji X Preise in ein Verhältnis zu Leica gesetzt werden und dabei APS-C und Kleinbildkameras mit optischem Sucher verglichen werden und dann die ach so „moderaten“ Preise bei Fuji angesprochen werden. Die Leica CL nimmt man nicht, weil es da ja auch nur einen EVF gibt und Fuji überlegen und günstiger wäre.

Dabei ist das so überhaupt nicht vergleichbar.

Dann könnte man auch das Kleinbild mit dem Mittelformat vergleichen.

Beim Mittelformat schlägt Fuji aktuell Leica total. Das Kleinbild bei Leica ist teurer als das Mittelformat bei Fuji aber im Kern von Panasonic und nicht besser. Das sollte man vergleichen. Oder eben die Sony A7c für 2000 Euro mit der Leica M10. Die hat dann zwar den Messsucher aber die Sony hat sonst die Nase vorn.

Abgesehen davon hat Fuji die Preise in zehn Jahren fast um 50% erhöht: So kostet die X100V jetzt ca. 1399/1499 € und die alte X100 kostete damals 999 €.

Aber wer hat schon 40% oder 50% mehr Gehalt in den letzten zehn Jahren bekommen?

Und Fuji ist nicht Leica sondern Fuji und eben nicht die Leica des armen Mannes sondern eine echte Alternative ohne diese legendäre M Tradition, wobei Leica ja heute eher die Lumix für Reiche auf den Markt bringt und die M10 eine Mininische füllt. Denn bei der Leica Q und Co. gibt es nur noch elektronische Sucher…

APS–C über 1000 Euro heute ist doch ein Witz, zumal Kleinbildsensoren für 1500 bis 2000 € in erstklassigen Kombis verbaut auf dem Markt sind.

Und wieso kostet die Xpro3 mindestens ca. 1700 Euro ohne Objektiv? Dann schreiben einige auch noch, woanders würde so was wie eine Xpro viel mehr kosten.

Na dann macht das doch. Ich bin gespannt wie viele das kaufen!

Es sei denn nur noch Zahnärzte, Anwälte, Influencer und Pensionäre sind die neue Zielgruppe von Fuji, so wie bei Leica.

Doch wieso sollten die wechseln wo doch die sozialen Attribute für höhere Preise als Ausdruck von sozialem Statusdenken nun mal nicht bei Fuji sondern bei Leica mit der M zu finden sind?

Und gerade die 1000 Euro Menschen haben Fuji den Erfolg beschert seit der ersten X100.

Wenn Fuji jetzt die neue X100 als Pendant zur völlig überteuerten Leica Q positionieren will, dann wird dies nicht klappen. Müssen sie auch nicht, weil sie mit dem Mittelformat besser trumpfen können und zum Preis einer Leica Q2 ein besseres Komplettsystem anbieten.

Aber Mittelformat steht immer noch für Studio während Kleinbild für analog unterwegs steht – und APS-C das Optimum für die digitale Fotopraxis drinnen und draussen ist….

Vergleichen kann man also alles, aber macht das immer Sinn?

Ein Influencer auf youtube hat die Leica M10 und die Xpro 3 verglichen und findet den optischen Sucher der Leica viel größer und besser als den der Xpro 3 aber den EVF in der Xpro 3 großartig. Logisch da die M10 keinen hat. Abgesehen davon ist der optische Sucher bei der xpro 2 größer als bei der xpro 3…

Christian Ahrens finde ich immer noch substanzreicher als viele andere und daher möchte ich ihn hier zitieren wobei er kein Video gemacht hat sondern wunderbarerweise noch online schreibt:

„Lustigerweise habe ich in den drei Testwochen nie das Bedürfnis gehabt, die Qualität des Suchers der X-Pro3 mit der der X-Pro2 zu vergleichen. Es wird sicherlich stimmen, dass das neuere Modell hier mehr zu bieten hat – aber ein krasser Unterschied ist mir nicht aufgefallen. Das spricht allgemein für das hohe Niveau, das wir schon seit Jahren gewohnt sind und das sich nun evolutionär fortsetzt.“

Das spricht für sich. In dem gleichen Bericht geht er auch ausführlich auf den neuen Monitor ein aber ich finde meine Argumente oben für mich besser.

Aktuell springt Nikon ja auf die Retroschiene auf und bietet eine einfache Kamera für fast 1000 Euro an, die Zfc. Die ist so ähnlich wie die XT100 von Fuji und in meinen Augen maximal 500 Euro wert.

Ich bin gespannt wie das weitergeht.

Mir macht es keinen Spaß mehr nach neusten Produkten zu schauen deren Wert und Preis so weit auseinander klaffen.

Da ist dann kreative Intelligenz angesagt.

Abgesehen davon wird sich der Markt wohl neu aufteilen.

Wenn du ein Iphone 13 pro für gut 1100 Euro bekommst und das mittlerweile als einer für alles auftritt, dann muß man neu denken gerade auch bei preislichen Relationen, zumal dieses Iphone quasi sechs Jahre Garantie hat durch Software und Haltbarkeit.

Manche sprechen sogar schon vom Ende der Vollformat Digitalkameras.

Das ist direkte Konkurrenz und die löst man nicht durch Preiserhöhungen sondern durch Null Prozent Finanzierung bis 36 Monate und Zugaben.

Nun denn, ich mußte dies hier loswerden, um den Stress nach dem stundenlangen Gucken von englischen Youtube-Videos und blöder Werbung mittendrin abzubauen, deren Substanz meistens in keinem Verhältnis zu ihrem Auftritt steht.

Aber umgekehrt waren diese Videos hilfreich, um nun zu sehen, was ich nicht mehr will und worauf es ankommt.

Licht und Schatten …

2 thoughts on “Kreative Initiative statt Künstliche Intelligenz – Leben in der Fotonische

  1. Ich denke Kameratechnologie hat ein gewisses Plateau erreicht was die Bildqualität angeht. Die einzigen Innovationen kommen noch bei der Auflösung der Sucher, im Videobereich und den ganzen „KI“ Funktionen für Autofokus, Stacking, Panorama usw. Also wie man es von den Iphones kennt.

    Das Schöne ist, daß man sich heute eine gebrauchte Fuji kaufen kann und wenn man langsam fotografiert und den ganzen KI, Tieraugenfokus oder sonstigen Kram nicht braucht eine gute Kamera für Jahre bekommt. Und wenn man sich Gebrauchtpreise für Fuji anschaut denken vielen so.

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