Die Willensfrage: Selbstmord oder Leben?

flaneur21

Das ist die große Frage.

Arthur Schopenhauer hat sie so beantwortet in „Die Welt als Wille und Vorstellung“:

„Hier nun fängt die Sache an ihm bedenklich zu werden, die Frage dringt sich ihm auf, woher und wozu das Alles sei, und hauptsächlich, ob die Mühe und Noth seines Lebens und Strebens Wohl durch den Gewinn belohnt werde? le jeu vaut-il bien la chandelle?–Demnach ist hier der Punkt, wo er, beim Lichte deutlicher Erkenntniß, sich zur Bejahung oder Verneinung des Willens zum Leben entscheidet; wiewohl er sich Letztere, in der Regel, nur in einem mythischen Gewande zum Bewußtseyn bringen kann.–Wir haben demzufolge keinen Grund, anzunehmen, daß es irgendwo noch zu höher gesteigerten Objektivationen des Willens komme; da er hier schon an seinem Wendepunkte angelangt ist.“

Die Welt als Wille und Vorstellung

Kommt das irgendwie bekannt vor?

Ja, denn genau dasselbe hat Albert Camus in „Der Mythos des Sisyphos“ geschrieben:

„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord[ 1]. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heißt auf die Grundfrage der Philosophie antworten. Alles andere–ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat–kommt später. Das sind Spielereien; erst muss man antworten. Und wenn es wahr ist, dass–wie Nietzsche es verlangt–der Philosoph, um Achtung zu genießen, ein Beispiel geben muss[ 2], dann begreift man die Wichtigkeit dieser Antwort, da sie der endgültigen Tat vorausgehen wird. Für das Herz sind das unmittelbare Gewissheiten, die man jedoch vertiefen muss, um sie dem Geiste deutlich zu machen.“

Die Verbindung zwischen diesen beiden Menschen bildete Friedrich Nietzsche.

Laut den bisher von mir gelesenen Biographien über Albert Camus war Nietzsche ihm eine lebenslange Inspiration, während Camus sich kaum bis gar nicht mit Schopenhauer beschäftigt hat.

Die Vorstellung und die Welt

Aber Nietzsche ist ohne Schopenhauer eigentlich gar nicht denkbar. Insofern mögen sich Philologen und Philosophen streiten, wer wen inspiriert hat.

Die beiden Zitate stehen für sich und zeigen wie stark Arthur Schopenhauers Gedanken wirken und wie wunderbar Albert Camus unsere Existenzfrage auf seine Art in lesbare Form brachte und der Sinnlichkeit einen Sinn gab: „Das Elend hinderte mich, zu glauben, daß alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, daß die Geschichte nicht alles ist.“

 

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