The Photography Book und der eigene Standort zwischen Massaker, Mode und Mord

flaneur21

Das Buch ist dick und schwer. Es erschien erstmals 1997 und dann noch mal 2014, also kurz vor dem Siegeszug des Smartphones und der social media.

Zuerst habe ich gedacht, wer da drin ist, hat es geschafft.

Aber je mehr ich darin guckte, desto weiter wurde der Horizont und ich stellte fest, daß mein Gedanke viel zu eng gedacht ist.

Die Bechers sind mit 6 Fotos als Reihung auf einer Seite drin. Tillmans ist drin mit seinem Halbnackten Alex im roten Mantel auf dem Baum und Cartier-Bresson mit seinem hüpfenden Mann über der Pfütze.

Keiner hat mehr als eine Seite. Alle bisher genannten Fotografien haben aber auch keinerlei soziale Relevanz, sind aber Teil der Geschichte der Fotografie, die hier gezeigt wird.

Es kommen auch noch hunderte andere Fotos vor von denen einige Menschen zeigen, andere Massaker, Morde oder einfach nur ein Modefoto oder etwas Anderes.

Es geht um eine Reise durch 150 Jahre Fotografie mit „strange moments“.

Die Fülle ist unendlich und was sozial anerkannt wird auch.

Aber was wird ein „strange moment“?

Wer über eine Pfütze hüpft oder halbnackt auf einem Baum sitzt, ist eher nicht relevant aber offenbar Kunst.

Es kommt eben nicht auf Können sondern auf Kennen an. Relevant ist, wer wen kennt, weil Geld führt.

Verkaufsfähig als Kunst ist nur das, was als Wertanlage dient, also den Stempel Museumsqualität bekommt.

Die Hüter des Geldes bestimmen so auch, was relevant und relativ ist als Ausdruck von Herrschaft und Macht. Aber da es immer schon so war, braucht man darüber nicht jammern. Es reicht dies wieder einmal festzustellen und viele machen es sich ja zunutze.

Das Buch zeigt aber noch mehr.

Es zeigt wo Fotografie überall eingesetzt wurde und was damit auch dokumentiert werden konnte: Tragödien, Morde und vieles mehr zwischen Reportage und Dokumentarfotografie.

Das Buch ist sehr schön, weil einerseits die Drucke auf Papier gut sind und andererseits hier die Fülle an Fotos zur Besinnung und Eingrenzung zwingt.

Was und wie will man eigentlich fotografieren?

Diese Frage kann entstehen, wenn man auf so viele verschiedene Themen und Ansätze blickt.

Das Buch bietet insofern einen sehr guten Ansatz jenseits der digitalen Welt, weil hier ohne google ein Weg gegangen werden kann, der vieles zeigt, was Google nicht bietet, da es diese Suchergebnisse so nicht gibt.

Umgekehrt fotografieren die meisten Menschen heute ohne dieses Buch zu kennen und sind rein gegenwartsorientiert.

Fotografie ist zunehmend eine rein visuelle digitale Sprache neben oder für Wörter. Und die Relevanz von Fotos ist überall sichtbar und nutzbar.

Fotografie zeigt und hält fest, Gesehenes, Gestaltetes oder auch im Rahmen für den Moment neu Geschaffenes.

Insofern bietet dieses Werk auch einen Spiegel von gestern zu heute und kann zu ganz vielen Fragen führen.

Das Werk wird seit einiger Zeit immer wieder zum Aktionspreis angeboten und bietet so für kleines Geld eine wirklich große Sicht auf die Vielfalt der Fotografie.

So bin ich auch dazu gekommen und habe es nicht bereut.

Vielmehr hat es bei mir einiges in Frage gestellt und ich habe noch keine Antworten darauf.

 

 

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