Vom Kopf zum Knopf – Smartphone Fotografie heute

flaneur21

Wir sind im Zeitalter der schnellen Fotos angekommen. Heute ist es leichter zu fotografieren als zu schreiben. Visuelle Sprache drängt auf Smartphones immer mehr in den Vordergrund. Wer Videos schaut und Podcasts hört, hat mit der Welt des Lesens nichts mehr zu tun.

 

Funktional statt Fotografisch

Und die Fotografie ist Kommunikation auf Knopfdruck.

Was es da heute alles an schicken, schnellen und schönen fotografischen Möglichkeiten gibt!

Da entscheidet die Kamera allein darüber, welche Blende ich nehme, um eine optimale Lichtausbeute zu haben. Da sorgt die Kamera für ein ausgewogenes Farbbild und damit nicht genug. Sollte ich zwei Optiken im Smartphone haben und eines für Tele sein, dann entscheidet die Kamera ob beim Tele genug Licht ist, sonst gibt es eben ein digitales 2fach Zoom, weil die primäre Optik bisher immer lichtstärker ist.

Was will man eigentlich mehr?

Einfach und erfolgreicher kann man als Hobbyist für Kommunikation und schnelle Eindrücke gar nicht fotografieren.

Jetzt kann man sogar noch nachts ohne Stativ aus der Hand Fotos machen im sog. Nachtmodus.

In all diesen Fällen zählen zwar die alten Kriterien wie Detailsichtbarkeit, wenig Rauschen etc. so nicht mehr, dafür aber Schärfe und Farbe und schnelle direkt nutzbare Ergebnisse.

 

Staunend statt Streng

Wenn ich mich aus der Perspektive des Homo Ludens sehe, dann blicke ich fasziniert auf solche Ergebnisse wie hier:

Der Himmel war sternenklar aber den Strauch konnte im mit meinen Augen im Dunkeln nicht sehen. Und dann mache ich einfach ein Foto im Nachtmodus und das ist das Ergebnis.

In ein paar Jahren wird der Strauch dann auch in seiner echten grünen Farbe zu sehen sein.

So geht es immer weiter und so gesehen ist die fotografische Welt so einfach wie nie zuvor.

Ich staune oft darüber, daß ich noch selbständig entscheiden will, was ich mache.

Manchmal frage ich mich, ob es ein Fehler in meinem Kopf ist, das ich von diesen schönen neuen Möglichkeiten nicht gedankenlos Gebrauch mache und lediglich noch auf den Knopf drücke.

Das wird mich noch eine Weile beschäftigen.

 

2 thoughts on “Vom Kopf zum Knopf – Smartphone Fotografie heute

  1. Ja, es kommt näher…. 😉
    Ursprünglich Fiktion, zunehmend Realität. „1984“, „Matrix“…, Beispiele fallen mir genug ein. Es wird eine spannende Frage bleiben, solange wir sie uns überhaupt noch stellen können: Nutzen wir bewußt und selektiv die Technik, die wir tatsächlich brauchen, oder lassen wir uns unselektiert und fremdgesteuert von ihr abhängig machen? Den Lauf der Dinge aufhalten ist deutlich schwieriger, als den eigenen Umgang damit zu reflektieren, zu kontrollieren, und diesbzgl. bewußte Entscheidungen zu fällen. Wichtig bleibt, die jeweiligen Konsequenzen zu erkennen, und diese tragen zu wollen. Jede nicht bewußt gefällte eigene Entscheidung bestätigt die Entscheidung Anderer. Der Begriff Manipulation ist durchaus erwähnenswert. Eine spannende Lektüre, die recht gut passt zu diesen deinen Gedanken findet sich in einem über 50 Jahre alten Buch von H. Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“.

    1. Oh ja, jetzt wo es hier geschrieben steht, erinnere ich mich daran. Damals hatte ich die Luchterhand Taschenbuchausgabe und glaubte, Wissen würde was bewirken über den Einzelnen hinaus. Aber Wissen wird eben nicht vererbt, Geld wird vererbt. Und so können wir heute über das schreiben, was wir sehen, weil wir Marcuse gelesen haben, aber wir können nichts daran ändern sondern nur darüber schreiben in der Hoffnung das Andere dies lesen. Aber wenigstens dies geht noch solange die Hoffnung nicht gestorben ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.